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Association Internationale des Professeurs de Philosophie


















































































Aktualisiert am 15.10.2005
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Zu den Fragen (Textstruktur)

Lettland / Lettonie / Latvia


Signe Mezinska, Riga

Philosophie in den Schulen Lettlands


I. Philosophieunterricht gibt es in Lettland in der Sekundarstufe II nur als Wahlfach, meistens in der 12. Klasse (17-18 Jahre), 2 oder 3 Wochenstunden, 72 oder 108 Stunden. Man kann Philosophie auch als mündliches Abiturfach wählen.
Ethik wird in der Grundschule in der 1. bis 3. dritten Klasse 36 Stunden pro Jahr unterrichtet. Bis jetzt waren in der Grundschule ethische Probleme zusammen mit ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Fragen im Fach Sozialkunde vereinigt. Seit 2004 gibt es in der 1.bis 3. Klasse zwei selbstständige Fächer: Ethik und christliche Lehre (eine Wochenstunde), von denen jeder Schüler/ jede Schülerin eines wählen muss. Früher war christliche Lehre ein Wahlfach.

In der Sekundarstufe I, 7. Klasse (12-13 Jahre) wird Ethik in das Fach Sozialkunde integriert.
In der Sekundarstufe II wird Ethik als Wahlfach nur in einigen Schulen eine Stunde pro Woche (72 Stunden) unterrichtet.
Philosophieunterricht in der Oberstufe gibt es seit 1995.
Ethikunterricht gibt es in der Grundschule seit 2004; in der Sekundarstufe I seit 2000, in der Sekundarstufe II seit 1995.
Philosophie ist ein Wahlfach.
Ethik ist obligatorisch in der Klasse 1-3 und in der Klasse 7, während Ethik in der Sekundarstufe II ein Wahlfach ist.
Die Anzahl der Klausuren(Tests) in Philosophie und Ethik wird vom Lehrer individuell bestimmt.
In der Grundschule gibt es eine Möglichkeit, christliche Lehre statt Ethik zu wählen. In einigen Schulen gibt es zusätzlich zum Philosophieunterricht als Wahlfach auch freie Arbeitsgemeinschaften in Philosophie.
Bis jetzt hat Lettland nicht an der internationalen Philosophie-Olympiade (IPO) teilgenommen. Es gibt auch keine nationale Philosophie-Olympiade.

II. Für den Philosophie- und Ethikunterricht gibt es Richtlinien mit freier Auswahl der Texte.
Für den Philosophieunterricht sind Grundfragen der westlichen Philosophiegeschichte obligatorisch.
In der Grundschule und Sekundarstufe I ist Ethik inhaltlich mehr sozialethisch ausgerichtet. In der Sekundarstufe II wird philosophische Ethik unterrichtet.
Es wird jetzt ein neues Curriculum für Philosophie ausgearbeitet, das nicht mehr nur Philosophiegeschichte sein wird, sondern mit philosophischen Problemen verbundenes Philosophieren mit den Schülern vorsieht.
Verbindliche Unterrichtsmethoden im Fach Ethik sind freies Unterrichsgespräch und Textanalyse.
Fächerübergreifenden Philosophieunterricht gibt es nur in Einzelfallen. Es gibt ein fächerübergreifendes Lehrbuch und Lehrerhandbuch “Freude am Denken” für Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren.
Ethikunterricht ist nicht fächerübergreifend.
In der Regel ist Europa als „geistige Einheit“ weder Gegenstand des Philosophieunterrichts noch des Ethikunterrichts.

III. Philosophie wird meistens von Geschichtslehrern und Lehrern der Kulturgeschichte unterrichtet, die an einer besonderen Fortbildung (72 Stunden) teilgenommen haben. Es gibt auch einige Lehrer, besonders am Gymnasium, die akademische Philosophie studiert haben und gleichzeitig auch an der Universität arbeiten. Besondere Lehrerqualifikation für den Unterricht in Ethik in der Grundschule und Sekundarstufe I ist immer erforderlich.
Es gibt kein Studium der Philosophie für das Lehramt, Philosophielehrer sind fast in allen Fällen Geschichtslehrer und Kulturgeschichtslehrer mit entsprechender Fortbildung.
Philosophie in Lettland wird größtenteils von Geschichtslehrern unterrichtet, weil für Philosophielehrer keine besondere Ausbildung zugänglich ist. Es gibt einen akademischen Studiengang für Philosophie an der Universität Lettland, aber leider nicht für Philosophielehrer.
Es gibt kein Studium der Philosophie für das Lehramt.
Es gibt ein Studium für Grundschullehrer mit Schwerpunkt Ethik und ein Studium für Sozialkundelehrer, die integriert auch Ethik unterrichten.
Es gibt keine praktische Ausbildung für angehende Philosophielehrer, weil es kein Philosophielehrerstudium gibt. Ethiklehrern der Grundschule und Sekundarstufe I wird ein bis zwei Monate im Jahr eine praktische Ausbildung angeboten.
Philosophie- und Ethiklehrer sollen einmal in drei Jahren an einer Weiterbildung teilnehmen (36 Stunden).

IV. In Lettland wird zur Zeit eine Bildungsreform realisiert, die auch wesentliche Änderungen für den Philosophie- und Ethikunterricht in verschiedenen Bildungsstufen vorsieht. Es wird auch ein neues Curriculum für Philosophie ausgearbeitet, das nicht mehr nur Philosophiegeschichte sein wird, sondern mit philosophischen Problemen verbundenes Philosophieren mit den Schülern vorsieht.
Diese Reform trifft in der Schule auf mehrere Schwierigkeiten - man muss neue Lehrbücher ausarbeiten und neue Methoden für den Philosophieunterricht nutzen lernen. Es ist nicht immer leicht, ein offizielles Curriculum auszuarbeiten, aber es ist viel leichter als das reale Curriculum zu ändern.
Das zeigt auch eine Studie über Philosophieunterricht in der Sekundarstufe II, die in Lettland durchgeführt wurde: - Lehrer behaupten, dass sie neue Methoden benutzen und problemorientiertes Lernen realisieren, doch die Schülerbefragung zeigt ein anderes Bild: die Lehrer bleiben meistens konservativ.
Diese Studie zeigt auch, dass der Unterschied zwischen dem realen und offiziellen Curriculum in Lettland sehr groß ist. Besonders wichtig ist die Lehrer-weiterbildung, um die Methodik des problemorientierten Unterrichts zu erlernen.
Diese Rolle des Lehrers ist in Lettland oft noch ungewohnt und kompliziert für viele Lehrer. Zuerst muss der Lehrer ein Organisator der philosophischen Diskussionen und Untersuchungen sein. Es ist oft schwer für Lehrer, von der Rolle des Richters und Mentors abzugehen und auf das Recht auf die “letzte Wahrheit” zu verzichten.