Polen / Pologne / Poland
Prof. Dr. Barbara Markiewicz
Phil. Inst. Universität Warschau
Nationale Philosophie Olympiade (Akademie der Poln. Wissenschaften)
I. Philosophieunterricht wird praktisch in allen Schulformen erteilt, und zwar werden die Elemente der Philosophie schon in den Elementarschulen unterrichtet, während Philosophie als Fachunterricht im Gymnasium und im Lyzeum mit jeweils 2 Wochenstunden eingerichtet ist. Das Alter der Philosophieschüler beträgt je nach Jahrgangsstufe 10 bis 19 Jahre.
Ethikunterricht wird als besonderer Fachbereich als Alternative zur Religion angeboten, meistens als ein Teilgebiet der Philosophie, und zwar in allen Schulformen mit jeweils 2 Wochenstunden.
Weder Philosophie noch Ethik sind als Abiturprüfungsfach zugelassen.
Philosophieunterricht gibt es seit 1990 in privaten Schulen (in sogenannten gesellschaftlichen Schulen); in den staatlichen Schulen gibt es ihn seit der ersten Stufe der Reform 1995. Ethikunterricht wurde 1990 zusammen mit dem Religionsunterricht eingeführt.
In den Elementarschulen sind die "Elemente der Philosophie" (so genannter Philosophischer Pfad) obligatorisch, in der Mittelschule dagegen ist Philosophie Wahlpflichtfach.
Ethik gilt als Ersatzfach für Religion und ist insofern obligatorisch. Ethik und Philosophie werden nicht alternativ angeboten.
Im Fach Philosophie werden auch Klausuren geschrieben, jedoch bestimmen die Lehrer selbst Art, Umfang und Anzahl der schriftlichen Arbeiten. Im Ethikunterricht werden auch schriftliche Arbeiten verlangt.
Philosophie und Ethik werden nicht alternativ angeboten.
Im Fach Philosophie werden auch freie Arbeitsgemeinschaften zusätzlich zum obligatorischen Unterricht angeboten.
Im Fach Philosophie nehmen Schülerinnen und Schüler jährlich an den Nationalen Philosophie-Olympiaden teil. Die Gewinner stellen sich jährlich auch den Internationalen Philosophie-Olympiaden, zuletzt 2005 in Warschau.
II. Verbindliche Lehrpläne oder Richtlinien für den Philosophieunterricht gibt es nicht mehr Für den Ethikunterricht, gibt es eine verbindliche Programmgrundlage wie gewisse Standards oder Richtlinien
Für den Philosophieunterricht gibt es auch keine obligatorischen philosophischen Fragestellungem bzw. auch die Behandlung bestimmter Philosophen ist nicht obligatorisch festgelegt.
Ethik wird auf philosophischer Grundlage unterrichtet.
Es gibt keine vorgeschriebenen verbindlichen Methoden für den Unterricht in Philosophie. Die Lehrer sind frei in der Wahl ihrer sehr verschiedenen Methoden wie z. B. Diskussion, Interpretation, Inszenierung. Für den Ethikunterricht gilt das Gleiche.
Auf der Elementarstufe gibt es in Bezug auf die Elemente der Philosophie fächerübergreifenden Unterricht, auch im Fach Ethik.
Im Philosophieunterricht und auch im Ethikunterricht wird Europa als Wertegemeinschaft bzw. als geistige Einheit problematisiert.
III. An den Mittelschulen wird der Philosophieunterricht in der Regel von fachlich qualifizierten Lehrern durchgeführt.
Im Ethikunterricht stellt jedoch die Qualifizierung der Lehrer ein Problem dar. Voraussetzung der Qualifikation zum Philosophielehrer am Gymnasium ist ein Hochschuldiplom einer pädagogischen Hochschule oder einer Universität.
Für Lehrer der Ethik gilt die gleiche Voraussetzung.
Es gibt verschiedene Qualifikationsgrade in der Ausbildung der Philosophielehrer wie auch für die Ethiklehrer, indem man ein Diplom als Magister oder Doktor erwirbt oder nur die Kurse abschließt.
Das Studium für das Lehramt in Philosophie dauert von zwei bis zu sechs Semestern, also bis zu drei Jahren.
Eine gesonderte praktische Ausbildung für angehende Philosophielehrer nach dem Studium gibt es nicht. Sie erfolgt zugleich mit dem Studium.
Dasselbe gilt für die angehenden Ethiklehrer.
Philosophie- und Ethiklehrern, die aktiv im Dienst stehen, werden gelegentlich Fortbildungskurse zur Didaktik und Methodik des Philosophie- und Ethikunterrichts angeboten.
IV. Zur Zeit gibt es unendlich viele Reformen des gesamten Erziehungssystems.